Intensitätszerfall

Was die Liebe alles kann

Eintrag vom: 10.10.2018



Wenn es bröckelt in einer Beziehung und sich beide kaum noch trauen, einen Schritt auf den anderen zuzumachen, ist es höchste Zeit für Veränderung. Das Schlittern in den Abgrund einer Beziehung ist kaum noch aufzuhalten, wenn beide schweigen. Dass es sich von alleine einpendelt und man mit Zurückhaltung und tapferem Abfinden mit den Gegebenheiten etwas kittet, ist höchst unwahrscheinlich. Von alleine entsteht die Liebe und zu Beginn vielleicht auch der Sex. Aber es ist selten, dass es von alleine gut bleibt. Es gilt, sich den anderen immer noch träumbar zu erschaffen und sich selbst auch träumbar zu zeigen. Das bedeutet, dass das „Verliebt-Sein“ aus der Anfangszeit aufrechterhalten werden kann – zumindest in Teilen. Mit den Grenzen und vermeintlichen Schwächen des anderen zu leben, ist sehr viel schwerer als es sich so einfach schreiben lässt. Und trotzdem kann Liebe die Belastungen des Alltags bewältigen. So verlangt es eine gewisse Portion an Selbstreflexion und Mühe, um sich immer wieder neu zu entdecken. Wie schön, dass Jonathan Franzen es in einem berühmten Interview von Max Frisch in seiner Antwort auf die Frage zum Besten gibt, woran er merke, dass er verliebt sei. „...mein Herz sagt es mir und mein gesunkenes Maß an Selbstsucht liefert verlässliche Beweise dafür.“ (siehe auch: Michael Nast, Generation Beziehungsunfähig).



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