Treue

Treue aus verschiedenen Blickwinkeln

Eintrag vom: 01.10.2018



Wie man miteinander lebt, ist verhandelbar. Wie in der Liebe alles verhandelbar ist, bleibt auch dieser Aspekt des gemeinsamen Lebens in Entwicklung. Für viele Menschen bedeutet Treue, sich ausnahmslos auf eine Person einzulassen. Fremdgegangen wurde schon immer. Und es wird auch immer irgendjemand fremdgehen. Es ist ja so einfach sich die unerfüllten Bedürfnisse, auf durchaus schnelle Art, bei jemand anderem als dem geliebten Menschen zu erfüllen. Die Früchte des Verbotenen locken. Ein Seitensprung kann viele Beweggründe haben. Auch als Befreiung aus einer Beziehung, die uns nicht mehr entspricht, kann eine Affäre oder Vorboten einer solchen, sehr effizient wirken. Menschen sind oft nicht im Stande, sich wirklich einzugestehen, was sie fühlen. Konsequenzen für einen Abend auszublenden und sich dem instinktiven Rausch aus Aufregung und Begehren hinzugeben, ist oftmals ein Ausbruch aus der ausweglosen Sackgasse einer langweiligen Beziehung. Das Selbstwertgefühl lässt sich durch die ganze Aufregung in den Himmel hinauf befördern, um danach mit einem schlechten Gewissen wieder knallhart auf dem Boden der Tatsachen zu landen. Sich einzugestehen, dass man diese unliebsame Seite hat, ist nicht selbstverständlich. Aus Angst davor, die vermeintlich sichere Bank der eigenen Beziehung zu verlieren, wird der Fehler weg geschwiegen. Und manchen Menschen gelingt es, dem Partner oder der Partnerin genau so wie vorher zu begegnen und das reine körperliche Austoben wird mithilfe der kognitiven Dissonanz-Theorie ausgeglichen und nie wieder erwähnt. Doch was steht dahinter, wenn man betrügt? Ist es für eine zukunftsorientierte Beziehung nicht sinnvoller, sich mal mit sich selbst auseinanderzusetzen, um das eigene Verhalten vorbeugend zu reflektieren? Ehrlichkeit wird so oft hoch gelobt und dann doch mit einem einzigen Abend in die Tonne getreten. Hoffnung sich selbst gegenüber, dass ein sogenannter „Ausrutscher“ kein weiteres Mal passiert, ist da ein vielversprechender Geselle. Doch wie lange hält die eigene Disziplin, ohne den Seitensprung zu beichten?

Wäre es denkbar, dass man die automatische Treue und den ausschließlichen Exklusivitätsanspruch, von Anfang an, in einer Beziehung verhandelt? Es tut weh, wenn man sich erstmalig vorstellt, dass die gemeinsame Sexualität nicht die einzige Sexualität ist. Und doch kann es ein Gedankenexperiment sein, sich zu überlegen, wie man miteinander leben möchte. Dabei ist das bei sich selbst bleiben, von entscheidender Bedeutung. Es geht nicht darum, eine offene Beziehung zu führen. Es geht darum, zu verstehen, dass jeder seine eigene Sexualität hat und es eine gemeinsame Sexualität gibt. Und wie diese drei Bereiche miteinander zusammen kommen, kann man besprechen. Warum lassen sich Menschen in einer glücklichen Beziehung dazu hinreißen, sich mit anderen zu vergnügen? Ihre eigene Sexualität braucht womöglich neue Reize. Diese könnte man jedoch vielleicht auch mit dem Menschen an seiner Seite erreichen. Menschen geben sich dem einfacheren Weg hin, wenn sie fremdgehen. Kann eine Liebe das überstehen? Viele sagen, ja, wenn die Liebe stark genug ist, übersteht sie alles. Sicher sind pauschale Aussagen an dieser Stelle fatal. Es kommt immer auf die Individualität an. Und darauf, wie gut man den eigenen Körper spürt. Wer sich selbst auf körperlicher Ebene versteht, kann Lust aus sich selbst generieren. Und dann ist es eine Entscheidung, mit wem diese Lust geteilt wird.



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